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Zorn
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Because I promised


Die Kurzkür Die Kurzkür
Die Kür war nicht fehlerfrei, aber das Publikum hatte einen neuen Liebling



Für einen Moment war er einfach nur ... amüsiert.
Das Amüsement eines älteren Mannes, der einem jüngeren dabei zusah, wie dieser tat, war er selbst gerne getan hätte, damals.
Damals, als das Kind da unten auf dem Eis noch nicht mal geboren waren.
Damals, Anfang der 80er Jahre.

Man hatte diese Dekade das Zeitalter des schlechten Geschmacks genannt - aber es war auch eine Zeit gewesen, wo man modische einiges gewagt hatte.
Er hätte sich damals jedoch solch ein Kostüm nicht gewagt, nicht zur Kurzkür der Deutschen Meisterschaften (und schon gar nicht zum Pflichtprogramm, das es damals noch gegeben hatte). Dabei sah es ... einfach gut aus.
Es passte zu dem Jungen da unten.

Jan hatte die Karriere von Raphael Sanzay interessiert verfolgt, seit er bei den Junioren so furios aufgetreten war und bei seinem ersten Ausflug in die Welt der Erwachsenen gleich Deutscher Meister geworden war.
Eindeutig hatte der Halbfranzose Potential. Großes Potential. Das hatten seine Beobachter und Bewunderer in vielen Fernseh- und Radiointerviews schon im Brustton der Überzeugung verkündet.
Allerdings stand Raphael sich auch selbst im Weg, ihm fehlte die berühmte "mentale Stärke". Das Fleisch war zwar willig, aber der Geist war schwach ... um es mal mit einem alten Scherz zu versuchen.
Würde der Neunzehnjährige sie sich aneignen, Disziplin, Beständigkeit ohne dabei seinen Charme zu verlieren, dann würde dieser Mann da unten vielleicht der nächste Deutsche nach ihm, Jan Werner, sein, der in Olympia auf das Treppchen stieg.

Wenn...

Die ersten Takte der Musik erklangen.

Der Tänzer dort unten begann sich zu bewegen - zur Musik.

Jan wusste, dass jeder Eiskunstläufer seine Kür völlig ohne Musik laufen konnte, dass Raphael jeden dieser Schritte exakt nach Plan lief - aber er ließ es anders wirken - er ließ es anders werden, der wilde Junge auf dem Eis.

Der Kennerblick des ehemaligen, 4fachen Deutschen Meisters erfasste die Patzer, die kleinen und großen Fehler ("Abgestützt beim Dreifachen Axel, die Juroren werden dieses Element also nicht werten können" sprach er sachlich ins Mikro - und dachte bei sich: "Heiliger Pinguin - die springen den heute dreifach - und was hast du dich damals beim Doppelten angestellt!") - aber das Herz des Eistänzer, der in Deutschland ein Eislauffieber ausgelöst hatte, schlug schneller, als er sah, wie der Bursche Seele aufs Eis zauberte.

"Summa Summarum können wir sagen, dass es keine fehlerfreie, aber eine hochklassige Kür war, auch wenn einige der schwierigen Elemente nicht sauber ausgeführt waren. Wir werden sehen müssen, was die Punktrichter dazu sagen, aber wir können davon ausgehen, dass die A-Note ein ganzes Stück niedriger ausfallen wird, als gehofft, während die B-Note ganz schön nach oben gehen wird. Es wird für Raphael Sanzay nach dieser Kurzkür nicht einfach sein, seinen Titel hier zu verteigen, denn da kommt Christian Velder, der bisher eine hervorragende Saison gelaufen ist und beim gestrigen öffentlichen Training eine sehr gute Figur machte."

Während sich der Deutsche Vizemeister aufstellte, sah Jan Vater und Sohn Sanzay nach, die nach der Wertung, die Jans Voraussage entsprochen hatte, aus der Tränenecke verschwanden.

Ich wünsch dir Glück, Kleiner.


So ... Fanfiction :-)

Für faelkchen: Der "Kleine" gehört ganz alleine ihr (und ein bisschen Marc :-))
Tags: zeichnungen
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