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Frühsommer

Auf der Uniwiese ist der urbane Frühling ausgebrochen.
Wo sich in der Nähe des Unihauptgebäudes einige Quadratmeter öffentlicher Rasenfläche zwischen zwei Stichstraßen ins Kölner Centrum erstrecken, schießen die Lebenskünstler, die Freiluftfans und die Sonnenhungrigen wie Pilze aus dem Boden, als die ersten Sonnenstrahlen endlich den Boden soweit getrocknet haben, dass keine akute Rheumagefahr mehr besteht.

Auf den ersten 50 Metern passiere ich drei Fußballteam, zwei männliche, ein weibliches. Bälle kugeln über den Weg und die Herren I spielen bereits auf einem Asche-Platz, da sie ihren Rasen bereits in der Schlammsaison April 2006 bis auf die Wurzeln vernichtet haben - und Kölner Stadtrasen ist eigentlich robust.

Dann komme ich an einer Boulebahn vorbei, auf der einige Juppies Hochglanzstahlkugel von sich werfen mit etwas weniger Präzision als die Bonmots, die sie cool wirken lassen sollen. Sie haben die Ärmel ihrer schmalgeschnittenen Hemden aufgerollt, so dass die Armbanduhren gut zur Geltung kommen, und die Sonnenbrillen im gelgetränken Haar festbetoniert. Na, wenn die mal nicht warm sind.

Eine Kaffeehausmischung südländischer Großväter umlagert eine Wegekreuzung über die ich, geschickteste Radfahrerin diesseits von Alaska, hinwegschlingere.

Ich vermisse die Mütter mit den Kleinkindern, aber dann wird mir klar, dass es kurz vor sieben ist - dem Brand der Böschung im Kölner Südbahnhof sei Dank - weswegen ich mich ja auch so beeile, um den Copyshop noch zu erreichen.

Das letzte Wegstück nun fahre ich durch das Territorium der Unangepassten. Nicht jede Schwade, die hier durch die laue Luft weht, lässt auf brennendes Holz schließes, der ein oder andere Grashalm glüht da wohl auch, und Pois werden gedreht und Keulen geworfen. Die Rastazopfdichte ist vermutlich die höchste der Stadt, die Farbpalette ist alternativ (und auch ein klein bisschen modisch), die Mädchen mit den Hennahaaren tragen die Unformen der Unangepassten.

Fast fehlt - nein, da ist er, der obligatorische Nichtsesshafte unter einer Birke, schlafend, ein glückliches Lächeln auf dem gezeichneten Gesicht, den Rest von 0,5 Frühkölsch im Arm.

Und schließlich, es macht das Bild erst rund - der erste Sonnenbrand der Saison auf einem eher breiten als strukturierten Rücken, der über einen Grill gebeugt wird, auf dem Nackensteaks ihrem Ende entgegen brutzeln.

Dann bin ich auf der Zülpicher Straße noch gut in der Zeit, kann den Copyshop meines Vertrauens noch erreichen - nur geschlafen krieg ich jetzt vor dem Kino nicht mehr - dem Brand der Böschung im Kölner Südbahnhof sei Dank (um das nochmal zu erwähnen).

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