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Mittwoch

Gestern war ein ungewöhnlich gewöhnlicher Tag.


Auf der Arbeit entwickelt sich eine Missstimmung, die wie feiner Staub den Glanz des Tages stiehlt. Dieser Staub setzt sich in die Fugen kollegialer Beziehungen und allenthalben knirscht es deswegen.
Es ist diese Unzufriedenheit, die latent da ist, die man aber kaum zu artikulieren wagt, weil man damit auch zurecht kommen könnte, weil man fürchtet, als Spielverderber, Nörgler und Spalter angesehen zu werden.
Und wenn wir uns zusammen hocken, die Kollegin und ich, uns unser Leid klagen, dann wissen wir auch, dass wir mit einem Gang über den Dienstweg nichts erreichen können, denn Cheffe findet das Verhalten der “Jungs” ganz lustig. Sie und ich, wir wissen beide, dass es als Frauenproblem dargestellt würde, als Mimosenhaftigkeit.
Und man ist so konditioniert, dass man den Fehler dann bei sich sucht.

Darum habe ich mich besonders auf die Proben für den Tanzauftritt (die Tanzauftritte) am Wochenende gefreut.

Aber meine Stimmung war trübe. Mir gingen die Scherzchen, das Ego-Spreizen während wir eigentlich zügig unser Repertoire durchtanzen wollten, auf die Nerven.
Wieso bringt eine Gans ihren Ganter mit, der noch nie getanzt hat, damit er mal mitmachen kann – und ist dann schmollig, wenn er nicht mit ins “Ensemble” aufgenommen und spontan in 6 Tänzen geschult wird?
Warum muss mal alle Kostüme, auch die, die man nicht mitgebracht hat, beschreiben, statt einen Schritt zu tanzen?
Warum muss man emanzipatorisch korrekt darüber motzen, wenn die Damen bei der Reference den Blick senken, weil sie dem Herren nicht ins Gesicht schauen, die Herren das aber tun? Herrje, so war es nunmal! Wenn dir das zu demütig ist, Schnepfe, dann sag dir: Der Blick geht nicht zum Boden sondern zum Hoden, oder so was. Aber BEWEG dich!

Jedenfalls war ich nicht wie gedacht um 21 Uhr sondern eine Stunde später daheim.

Dann, so der Plan: Besuch bei Lauri und dann Lic.

Lic wäre mal anders gewesen, weil gestern der Verabschiedungsmarathon von Moni in dem tatsächlichen Aufbruch nach Australien endete und darum der Rest vom Schützenfest nicht da war. Aber ich mag das.

Also zu Lauri geradelt (wobei der Weg über die Universitätsstraße bis zur Aachener vermutlich nicht der kürzeste ich) und dann ...dann wurde der Tag doch noch schön. Zum einen konnte ich endlich mal live das schöne Kleid sehen (neben spannender Wäsche :-)) zum anderen reden. Ich glaube zwar, ich habe die Arme tot geredet, aber es sprudelte so raus... Viele Themen, viel Gedanken, die einer Nabelschau sehr ähnlich waren – einfach reden, einfach mal sagen.

Als ich nach einer gefühlten halben Stunde dann abschwirrte, war es ungefähr ein Uhr. Örgs. Aber das war es wert.

Und zuhause wollte ich erst nicht ins Bett. Erst noch rumgemacht und getan.

Wer weiß, wie lange ich wach geblieben wäre, wenn ich nicht in mein Schlafzimmer gegangen wäre und dort gesehen hätte, dass ein breiter Streifen silbernes Vollmondlicht auf mein Bett fiel. Und wenn der Mond schon im Bett ist, dann, so dachte ich mir, kann ich auch gehen.

Im Endeffekt war es dann so, dass ich nicht mal mehr weiß, wie ich das Kissen berührte.

Heute bin ich irgendwie müde, arbeitsunwillig und freue mich aufs Heim kommen.

Außerdem möchte ich unbedingt noch und das seit Tagen einen Eintrag kommentieren. Aber er ist zum einen in solch eleganten, schönen Worten (in Englisch) geschrieben, dass mich meine immer präsente Scheu einfängt, dazu etwas zu sagen, sozusagen mit vielleicht minder schönen Worten das Echo der Stille, die er hinterlässt, zu stören, und zum anderen ist er sehr tief – und ich scheue mich, dazu Plattitüten zu schreiben.

Herr, lass Abend werden.
Tags: leben
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