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Rasierte, homosexuelle, schottische Sodomisten und ein Schreitender Kohlrabi



schlemihl und ich waren in der Caravaggio Ausstellung im Museum Kunst Palast (Düsseldorf).

Schon vor ein paar Wochen hatten wir uns verabredet - und das wäre fast schon das Ende dieses schönen Plans geworden. Denn es ist Köln Marathon.

Durch die ganze Stadt schnaufen sportlich-ausdauernde Menschen. Nur die Bahnen fuhren nicht. So kam auch ich ganz ungewollt ans Schnaufen, weil ich dann mit dem Fahrrad zum Bahnhof musste.

Aber dafür hat es sich wirklich gelohnt.

Es war heute ein wunderschöner Herbsttag hier im Rheinland und irgendwie hebt es die Stimmung schon, wenn man aus der U-Bahn kommt und sich über einem ein blauer Himmel wölbt und goldene Blätter durch die Luft segeln, wenn man unter alten Bäumen durchläuft.
Oder wenn man sich auf einem Brunnenrand noch einen Moment zum Lesen in die Sonne setzt.

Die Ausstellung war sehr, sehr interessant.

Zum einen malt Caravaggio wirklich schön und es gibt viele Details zu sehen (wie schmutzige Füße oder einen angwiderten Blick bei Salome), zum anderen war das Leben dieses Mannes wohl auch so was wie ein Krimi, einschließlich eines Todschlages/Mordes nach einem Zwist mit seinem Freund im Zusammenhang mit einem Punkt beim Renaissance-Tennis. Dazu kommen die Kopien. Es gibt z.Zt. etwa 90 Bilder, die man dem Maler zuschreibt.
Das Problem ist, dass es von diesen Bilder verschiedene Ausführungen und etliches, zeitnah angefertigte Kopien gibt.

So konnte es passieren, dass man vor zwei fast identischen Bildern steht, und manchmal waren beides Kopien und manchmal stand bei beiden nichts dran, weil man es nicht sicher sagen kann.

Zwar gibt es inzwischen eine Röntgen-Methode, wie man die Bilder rel. sicher zuordnen kann, aber noch sind nicht alle Zweifel ausgeräumt.

Für mich als jemand, der auch schon mal gemalt hat *zwinker* war besonders spannend, dass er ohne Vorzeichnungen nach lebenden Modellen arbeitete, die er gleich alle zusammen aufstellte, und dann als erstes auf die dunkel grundierte Leinwand die Helligkeitsstufen mit Weiß auftrug.

DAS könnte ich ja gar nicht.

Das Werk umfasst (wie für die Zeit typisch) Heiligenbildchen. Besonders hatte es Caravaggio der Heilige Johannes der Täufer angetan, den er oft und selten sehr bekleidet malte.

Da im Gegenzug zu einer Menge (wenig bekleideter) Herren nur wenige Marien (davon eine die Wasserleiche einer stadtbekannten Prostiuierten) und Magdalenen zu sehen sind, schleicht sich der Gedanke ein, dass der Herr Maler vielleicht den Herren zugetan war.

Und prompt steht auch ein Herr hinter A. und mir und murmelt (leicht anklagend) etwas von: "bestimmt war der homosexuell, bei so vielen nackten Männern..."

Sorgen haben die Leute.

Ich fand mal nicht ständig nackte Weibchen auch mal schön.

Auf jeden Fall waren A. und ich danach nicht mehr mit sehr viel sittlichem Ernst zugangen, als wir eines der Hauptwerke Caravaggios ansahen.



Am Ende hatten wir aus dem "Jungen mit Widder/Johannes dem Täufer" dann einen (s.o.) sodomistischen, homosexuellen Schotten gemacht...

Und das wurde bei den "Raumobjekten" von Norbert Kricke auch nicht besser. Manchmal hatten wir schon das Gefühl, dass wir die Wachen beunruhigten ...

Fast zweieinhalb Stunden waren wir in der Ausstellung, und es hat sich gelohnt.
Eigentlich wollten wir uns danach von Acker machen, aber dann haben wir noch einen Flyer gefunden. Und so ging es noch ins wieder eröffnete Glasmuseum Hentrich. Wer mich kennt, ahnt, dass Glas für mich einfach faszinierend ist.

Ich musste auch oft an virgincaipi und ihre genialen Perlen denken da.

Eine Vielzahl von Objekten aus allen Epochen gab einen wirklich interessanten Einblick in die Möglichkeiten der Glaskunst.

Unser Liebling:

Réné Roubicek
Schreitender Kohlrabi
Prag, 1959/1960


Und mein persönliches Highlight sah dem ähnlich, die Form war ähnlich der großen Schale hier:

Die Schale, die eine gewisse Person glatt reizte, sie umzuwerfen, weil sie so neckisch über den Ständer ragte ..., war außen mit cremefarbenen Bändern verziert und innen von so einem intensiven Kobaltblau, das man meinte, in ihr versinken zu können.

Wer wirklich schönes Glas sehen will... guckt bei Dale Chihuly.

Uff... das war's.

Gute Nacht und guten Morgen!
Tags: kunst, leben
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