Zorn (zorn) wrote,
Zorn
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Die Cosmopolitain vom Januar enthält einen (hübschen) Männerkalender und zweimal meinen Namen :)

Vielleicht erinnert sich noch wer, dass ich von dem Interview über "reife Bloggerinnen" für die Cosmo schrieb.
Inzwischen ist der Artikel erschienen und ich bin in dem eher allgemein gehaltenen Bericht über "wie bloggt man heute" sogar mit zwei Zitaten naaaaaaaaaaaaaamentlich erwähnt.

Wow.

Wer die Cosmo (die ich mir jeden Januar wegen dem Kalender kaufe) liest: es beginnt auf Seite 33.

Wer diese Zeitung, die riecht wie eine aufgetakelte Diva, nicht kauft, und Lust hat, für den habe ich den ganzen Interview-Text (wie gesagt, zwei Sätze wurden zitiert) hinter dem Cut stehen.


Vorab: Was machst du beruflich und wann hast du mit LJ angefangen? Hast oder hattest du noch andere Profile im Internet?

Ich arbeite im Marketing eines Verlages, habe eine Ausbildung zur Bankkauffrau und ein Architekturstudium gemacht vorher.
Mein LJ habe ich 2001 begonnen, nutze es aber erst seit zwei Jahren wirklich rege.
Ich habe noch eine Homepage, auf der man einen virtuellen Rundgang durch meine Wohnung machen und meine Bilder ansehen kann (www.zornige-werke.de).
Dann habe ich einige "Galerien" auf unterschiedlichen Seiten.

1. What made you decide to make (parts of) your life public? Wie viele Leute hast du auf Deiner Freundesliste? Gehen alle Mails an alle Leute auf deiner Liste, oder hast du eine Art Hierarchie bei deinen Eintraegen? Worueber schreibst du v.a.?

Am Anfang war es eine Freundin, die ein LJ hatte, und die ihr Leben in ihren LJ lebte (jedenfalls kam und kommt es mir manchmal so vor, ich blogge, also bin ich...), die mich "überredete" mir ebenfalls ein Journal anzulegen. Das Argument war, dass ich so alle ihre Einträge (auch die, die mit der Einstellung "friends only" nur für einen ausgewählten Freundeskreis zugänglich waren) lesen können.
Es folgten ab und an einzelne Einträge, bis mich wieder die Lust verließ.
Erst eine verlorene Wette, bei der ich für einen Monat jeden Tag einen Eintrag machen musste, brachte mich auf den Geschmack.
Aus dem Freundeskreis jener ersten LJ-Freundin (die heute 25 ist) kommentierten Leute meine Einträge, lachten über meine Witze, waren interessiert an Details. Es ist im "meinem Umfeld" des LJs durchaus üblich, dass man seine Freunde auf neue Mitglieder aufmerksam macht.

Jetzt schreibe ich relativ regelmäßig, weil mich mit "meinen Leuten" schon etwas verbindet, ich mich freue, wenn ich von ihnen höre (am liebsten Gutes :-)) und ich es lustig finde, wenn jemand an meinem Leben, meinen Gedanken und meiner Kreativität Anteil nimmt.

Meine Friendslist ist (mir fast schon zu) lang. Ca. 60 Leute sind darauf, wobei etliche davon auch nicht aktiv sind (sondern Mitleser-Accounts haben), sonst würde ich niemals so viele Leute darauf haben. Aktiv sind davon ca. 30.

Da ich nur sehr selten (vor Geburtstagen etwa) die Funktion "Freundesgruppe", bei der man eine Teilmenge der Friendslist auswählen kann, nutze, sind meine Einträge entweder

  • öffentlich (die allermeisten),

  • "friends only" (wenn ich über meine Arbeit schreibe, wenn ich über Dritte schreiben, von denen ich nicht weiß, ob es ihnen recht wäre, wenn "die Welt" von ihrem Tun erfährt, oder seit ich an einer Anthologie für erotische Comics mitarbeite Skizzen und Auszüge aus diesem Comic, weil ich von meinen Freunden da Verbesserungsvorschläge bekommen, ich die Sache aber aus "rechtlichen" Gründen nicht offen ins Netz stellen will)

  • oder (kaum) private.


Ich habe eigentlich 4 Sorten von Einträgen:

2. Die Tagebuecher, die es in unserer Kindheit gab (bin im Feb 40 geworden;-), hatten oft kleine Schloesser, damit alles ganz privat blieb, heute steht sehr Persoenliches im Netz. Worin liegt das Plus? Worin liegen moegliche Gefahren?

Vor zwei Monaten machte mich ein Kollege darauf aufmerksam, dass es eine Suchmaschine gibt, die Bloggs durchsucht und dass er so meine Einträge über meine Arbeit gefunden hätte. Es waren positive Einträge, da ich meine Arbeit mag, aber da waren auch Sachen dabei, von denen ein Arbeitgeber vielleicht nicht möchte, dass sie herumposaunt werden. Seitdem bin ich vorsichtig und poste Dinge über meine Arbeit und meine Kollegen verdeckt.
Private (nur für mich) nutze ich mein LJ auch. Zum einen, als Erinnerungsstütze, dann speichere ich Dinge (E-Mails), die wichtige Aussagen enthalten ab, damit ich darauf zugreifen kann, wenn der E-Mail schreiber wissen will, wie ich darauf komme, dass er/sie das gesagt hätte. Das geht auf eine "Marotte" von mir zurück "widersprich den Leuten nicht, warte, bis sie sich selbst widersprechen" ... Nein, ernsthaft: viele Probleme entstehen durch Missverständnisse. Ich bin ein Mensch, der lieber 1.000 mal nachfragt, wie hast du das gemeint ? und online gespeichert, kann ich auf eventuell kritische Passagen zurück greifen, wenn ich den Mensch dann live sehe.

Das PLUS ist die Öffentlichkeit. Das PLUS ist demnach auch das Risiko, aber es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn irgendwer einen bemerkt, auch mal ein nettes, aufmunterndes Wort hinterlässt.

3. Vielen ein bisschen von seinem Alltag mitzuteilen, geht das zwangslaeufig auf Kosten eines intimeren Zweieraustauschs mit Freunden?

Nein.

4. Do you read other people's journals? Was sind deine Auswahlkriterien dafuer? Was bringt dir das/ interessiert dich daran?

Ich lese sehr intensiv die Journale meiner "Friends". Etliche davon kenne ich persönlich, habe sie oft auch erst übers LJ gekannt, bevor wir uns besucht hätten. Im Dezember fahre ich z.B. Nach Linz (Österreich) um dort zum dritten Mal Christa und ihren Mann zu besuchen, die ich seit März 2005 übers LJ kenne.

Es ist auch so, dass es eine Menge Leute gibt, die auch untereinander Friends sind, so dass es manchmal so ist, als säße man in einem virtuellen
Wohnzimmer und würde miteinander plaudern.

Auf der anderen Seite gibt es auch die Möglichkeit in meinem Freundeskreis, dass dort Leute sind, die ganz massive Probleme in ihrem "räumlichen" Umfeld haben und denen es sehr gut tut, mal von "uns" eine Meinung von außen, Bestätigung, Tipps etc zu bekommen. Da werden dann auch schon mal Adressen von Therapeuten, Schuldnerberatung, Orthopäden, Möbelhäusern etc ausgetauscht.

Damit mich ein Journal interessiert, muss mich der Mensch interessieren. Mit manchen meiner Friends habe ich nichts gemeinsam (Alter, Lebensumstände etc) lese aber dennoch sehr gerne, wie sie die Welt sehen, was sie erleben, weil es Menschen sind, deren Sicht der Dinge ich sehr interessant und faszinierend finde. Es macht mir Spaß, mich mit Menschen zu beschäftigen.

5. Is the communication different than it is in face to face friendships?
Would you limit the level of intimacy in your journal and reveal some things only to family and close friends? Or would that rob the authenticity of a journal like yours?


Die Kommunikation ist anders. Es gibt andere Risiken, es gibt andere Möglichkeiten. Wenn man sich dessen bewusst ist, kann man die meisten Klippen umschiffen (es sei denn, man kommuniziert mit notorischen Falschverstehern und Dramaqueens) aber auch damit kann man leben, wenn man es weiß).

Ich schreibe rein, was mir im Kopf rumgeht. Dabei denke ich nicht an mich und Folgen. Ich denke aber an meine Freunde. Wenn ich (da sich bei mir Real Life-Freunde und Friendslist überschneiden) mit jemanden ein Problem habe, dann schreibe ich darüber Private, damit ich es von der Seele habe, aber ich möchte niemanden an den Pranger stellen).

6. How many hours a week did you put into your journal? Where do you find the time for all this publishing? In what fields of your life do you cut back to make room for it?

Zwei bis drei Stunden. Meist in der Mittagspause oder abends, wenn ich "sowieso" online bin. Ich sehe es als Entspannung an und daher passt es gut in die Mittags- oder Kaffeepause.

Wenn ich mir Gedanken über "was" mache, was bedeutet, dass ich auch schon mal mehrere Stunden an einem Text sitze, dann sehe ich das nicht als LJ-Zeit an, sondern als "Lebenszeit", weil ich nicht schreibe, um es zu veröffentlichen, sondern um mir über Dinge klar zu werden. Ich kann gut denken beim Schreiben.

7. Freundschaften basierten frueher v.a. auf raeumlicher Naehe, wie hat sich das durchs Internet fuer dich veraendert?

Meine Freundschaften basierten schon immer auf gemeinsamen Interessen, die Distanz war dabei immer ein Problem. Durch das Internet ist es mir überhaupt erst möglich (ohne horrende Telefonrechnungen, die ich früher hatte) Kontakte zu pflegen und zu bewahren. Ich reise im Monat regelmäßig mehrere hundert Kilometer, um meine Freundschaften zu pflegen und habe oft auch Freunde zu Besuch.
Viele dieser Freundschaften gingen gar nicht, ohne dass man sich (wie früher mal beim Bäcker) einfach mal im Netz/LJ ein paar Worte zuruft.

8. How to stay informed in the face of all this information?

(Die Frage habe ich nicht verstanden und drum nicht beantwortet :-))

9. "Das Private ist politisch" war ein Slogan der Frauenbewegung in den 70ern. Welchen gesellschaftlichen/ politischen Einfluss siehst du durch die Veroeffentlichung des Privaten?

Es gibt immer mehr Software, die Bloggs, Mails, Texte systematisiert. Ich denke, wenn diese Entwicklung weiter ist, wird der Einfluss der Bloggs zunehmen, weil die Unternehmen, die an Absatz interessiert sind, dann schnell (und billig) Meinungsbilder bekommen. Aber einen politischen Einfluss sehe ich z.Zt. Nicht.

Ich glaube aber, dass eine stärker vertikale Durchdringung der Gesellschaft stattfinden wird. Alters- und Statusschranken werden durch das Netz durchlässiger (würden es, wenn "unserer" Generation sich mehr aus Netz einlassen würde). Wenn es genug Leute gibt, die das Netz als sozialen Spielraum ansehen, dann würde es auch ein sozialerer Ort werden. Man darf nie vergessen, dass das Netz gar nichts ist, sondern dass die Leute, die es benutzen, die "Macht" haben.

Ich kenne etliche Leute, denen erst durch das Netz möglich war, Gleichgesinnte zu finden (Rollenspieler, Fetischisten, Allergikern etc.) und die das Netz einfach als weiteres Mittel der Kommunikation sehen. Für mich ist das Netz und auch das LJ positiv besetzt, weil ich keine Nerds kenne, die gar nicht mehr aus dem Haus kommen, weil sie nur noch online sind, sondern weil ich im Gegenteil Leute kenne, die erst über das Netz aus dem Haus gelockt wurden. Eine liebe, wirklich fette Freundin von mir war nach der Schule überzeugt, dass alle Leute nur eklig zu ihr wären. Über ihr LJ/ ihre Aktivität im Fandom hat sie Kontakte gefunden, die ihr jetzt ermöglichen, auch im wirklichen Leben Kontakte zu haben, weil diesen Leute ihre Figur egal ist, weil sie erst den "Menschen hinter dem Fett" kennen gelernt haben.
Und ich selbst mit meinen "alten" 40 hätte vermutlich einige meiner 20+ Freunde nicht, wenn wir uns nicht erst online hätten beschnuppern können.



Bist du zufaellig mit Marion Zorn verwandt? Ist ne nette Kollegin.

Nein ... Ist nur ein Spitzname! Zorn war ursprünglich der Name einer Figur in einer Geschichte, die ich geschrieben habe.
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