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Medienpräsenz

Die Minenarbeiter sind alle oben (fünf Rettungskräfte müssen noch wieder hoch) - und die Welt hat zugesehen.

Nicht nur wie die Männer einer nach dem anderen aus dem Loch herauspoppten oben konnte man per Livestream oder Direktübertragung, in zahllosen Livetickern oder per Flickr-Album der chilenischen Regierung miterleben, nein, es gab überaschender Weise sogar Bilder vom Inneren der Mine, von 622 Metern unter der Oberfläche, wie die Phönix-Kapsel unten bei den Männern ankam.
Überhaupt: die Männer. Rasiert (die meisten), sauber und mit mit religiösen Sprüchen bedrucktem T-Shirt über dem High-Tech-Rettungsanszug (viele) stiegen sie so ganz anders als die bartschattigen, hohlwangigen Geretteten anderer (Gruben)-Unglücke aus dem Rettungsschacht. Die Frauen hätten darauf bestanden, damit es nicht so kratzig wird, heißt es, und es heißt auch, dass die Regierung daran interessiert gewesen sei, der Welt "ihre" Mineros nicht zerlumpt und ungepflegt zu präsentieren. Sicher ein weiteres gut durchdachtes Detail dieser generalstabsmäßig geplanten (und inszenierten) Rettung - schließlich würde wohl niemand für den Rest seines Lebens gerne mit Bildern von seinem "Moment des Ruhms" leben wollen, in denen man Tomatensoße auf dem Hemd hat.

Und in Deutschland (und sicher auch anderswo) diskutiert man, ob das nötig wäre. Ob diese Medienabdeckung angemessen und richtig sei. Ein paar aussagekräftige Fotos hätten doch gereicht, habe ich als Kommentar unter einem Liveticker gelesen.
Hätten sie vielleicht.
Was uns (uns wie: die Welt) das denn anginge? Eigentlich ja nix, denk ich mir. Sowenig wie es die Ingenieure anging, die Wissen beisteuerten, wie die Spender, die Geld überwiesen, wie die Nasa, die Erfahrung teilte... Und darum geht es uns und sogar mich in meinem kuscheligen Sicherheitsnest in Deutschland was an. Weil wir uns mit diesen Menschen so freuen können.

Die Mineros haben oft genug verkündet, dass ihnen die Unterstützung ihrer Familien und "der Welt da draußen" Kraft gäbe.

Ja, vielleicht hat eine Millarde Menschen bei sehr intimen Wiedersehensmomenten zugesehen. Aber wenn da eh Dutzende Menschen drum rum stehen, die direkten Blick auf dieses Wiedersehen haben, dann ist es m.E. eh nicht so im klassischen Sinne intim. Und dann ist (wiederum ein gut geplantes Detail) als nächstes die Möglichkeit in einer abgeschirmten Barracke gewesen für die Geretteten eben wirklich intime Momente mit ihren Familien und Freunden zu erleben.

Und vorher konnte die Welt miterleben, dass manche Geschichten eben gut enden. Dass ein Wechsel der Rettungskapsel (Phönix 2) eben eine Sicherheitsmaßnahme und keine Katastrophe ist. Dass eine Gemeinschaft für einzelne einen gewaltigen Aufwand betreiben kann (ob der gleiche Aufwand auch bei den regelmäßigen Grubenunglücken in China betrieben wird?).
Ist doch schön!

Darum puste ich jetzt meine Kerzchen aus und geh ins Bett.
(Nein, ich bin nicht deswegen auf :))
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