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Ich persönlich ....

Ich persönlich … habe ja gar keine Spülmaschine.
Ich bin ein Ein-Personen-Haushalt mit geringem Aufkommen an Spül. Ich weiß, weil es mir auch jeder erzählt, dass es total praktische Ein-Personen-Haushalte-Spülmaschinen gibt mit geringen Ausmaßen.

Will ich aber nicht. Ich lebe damit, dass Spül auf meiner Spüle, auf meiner Anrichte, in meinem Wohnzimmer steht, bis ich einen Anfalls von Spüllust habe. Dann aber genieße ich es sogar, wie seifiges, warmes Wasser meine Finger umspült, wie braun verkrustete Auflaufformen ihre glänzend weiße Steingutschönheit wieder erlangen, wie fettige Gläser in neuem Glanz aus den schäumenden Fluten tauchen, um dann nach einer brühheißen Dusche im Geschirrständer zu trocknen, oder wie kalkfleckige Töpfe nach einer old school Essigbehandlung wieder zu matter, edelstählernen Pracht zurückkehren.

Aber nicht jeder kriegt beim Spülen Gefühle von Zen und wer Kinder hat, den verstehe ich auch voll und ganz.

Aber …

Aber in meinem Umfeld bin ich eine der wenigen, die keine Spülmaschine hat, und ich glaube auch, ich weiß warum. Spülmaschinen verändern die Gehirne von Menschen, bis sie nicht mehr ohne sie leben können. Dabei gibt zwei Extreme der Spülmaschinenabhängigkeit: den notorischen Vorspüler und die Kleinstmengenspülerin.
Wie der Zufall es will, habe ich in meinem näheren Umfall beide Formen der Küchen-hygienischen-Zwangshandlung vertreten.

Meine Mutter, die Wassersparerin
Meine Mutter besitzt ein Eigenheim in der Peripherie von Köln und seit vielen Jahren Spülmaschinen. Ausfälle werden schnell ersetzt und stets, wenn man sich mit Geschirr in der Hand dem Waschbecken nähert, ertönt unvermeidlich der Warnruf: „Das Wasser ist teuer!“ Nicht der Strom ist das Problem, nicht die Ressourcenknappheit, nein der Wasserpreis begrenzt die Freiheit des Menschen. Ich will mir immer gar nicht vorstellen, warum Spülmaschinen weniger Wasser verbrauchen als Menschen (das geht doch nur mit ner Menge Chemie, oder?), aber ob das ein Argument ist, warum man ererbte Porzellane mit Blümchen in weiße B-Ware verwandelt, weiß ich nicht.
Im Gegenzug, wenn man einen Topf oder eine Schüssel in der Hand hält, ertönt zwar der gleiche Ruf: „Das Wasser ist teuer!“, soll dann aber mit einem Abspülen unter dem Wasserhahn reagieren. Dieses Abspülen ist streng ritualisiert: Ganz heiß aufdrehen, kurz abspülen, sofort abdrehen, mit seifigem Schwamm bearbeiten, wieder (kurz) ganz heiß aufdrehen, abspülen, abdrehen, abtrocknen. Will man nicht in die gleiche Ebene der Spülhölle einziehen wie der Herr Gemahl, der die Spülmaschine immer mit all den großen Teilen vollmüllt, achtete man peinlichst darauf, hier alles richtig zu machen.
Inzwischen platziere ich abgeräumtes Geschirr und Besteck immer liebevoll zwischen Spüle und Schlund der Spülmaschine. Manche Entscheidungen sollen von anderen getroffen werden.

Meine beste Freundin, die Spülmaschinenexzessivenutzerin
Eine andere Form der Zwangshandlung stelle ich an meiner besten hannoverischen Freundin fest. Erst seit einigen Monaten, dem Einzug ins Eigenheim, selbst von der Spülmaschinenverachterin zur Spülmaschinennutzerin mutiert, scheint es ihr inzwischen unmöglich zu sein, einen Abend zu verbringen, ohne das schnurrende Geräusch der laufenden Maschine aus dem Nebenraum. Großformatige, flache Auflaufformen – zack, waagerecht einsortiert. Große Schüsseln – zack, rein. Zaghafte Einwände, dass das Wasser doch teuer ist, werden mit einem „Spülmaschinen verbrauchen weniger Wasser als Handspülen“ gekontert.
„Lass uns doch noch bis morgen früh warten und die Frühstückssachen mit Reinräumen“, wird mit einem Einsortieren noch eines Schüsselchens (quer) und einem zufriedenen: „Ist doch voll!“ (wahlweise: „Dann haben wir morgen früh keine Messer!“) gekontert.
Es erfüllt mich jedes Mal mit Unglauben, wenn ich in das satanisch rot zu mir herüberblickende Auge der Spülmaschine in der sonst nächtlich dunklen Spüle blicke, während ich heimlich noch mal an den Kühlschrank gehe. Besagte Freundin war Jahrzehnte lang eine heftige Verteidigerin der Spülmaschinenfreien Zone. Schmeckt nach Chemie! (Stimmt) Wird nicht sauber! (Stimme, siehe Auflaufformen) Macht Gläser stumpf!
Ach, die Gläser. Ich weiß inzwischen ne Menge über die chemischen Prozesse beim Stumpfwerden von Gläsern in der Spülmaschine. Freundin auch. Darum kommen die auch nicht in die Maschine. Genauso wenig wie das alte Besteck mit den blauen Griffen (das alltags benutzt wird). Oder das Olivenholz-Salatbesteck. Oder … Es läuft also nicht nur die in meinen Augen halbleere Spülmaschine, es wird außerdem AUCH gespült.

Darum lebe ich ganz gut in meinem spülmaschinenlosen Haushalt und behellige niemanden mit Tiraden über Wasserverbrauch und -preis. Wenn ihr also bei mir vorbei kommt, nehmt euch ruhig ein Glas. Benutzt es – wenn möglich – auch für das zweite Getränk nochmal. Und dann lasst es ruhig irgendwo stehen. Ich spül es schon.
Tags: freitags
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