Zorn (zorn) wrote,
Zorn
zorn

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Moi

Myself, I, ich



Ich bin 39 Jahre alt, man sieht es mir nicht (immer) an (was man mir sagen kann, wenn man mich glücklich machen will), ich benehme mich auch nicht immer so.

Ich habe eine Ausbildung gemacht, ein Studium.

Ich weiß also, wie das so ist. Ich habe Jobs gesucht, Hiwi-Arbeiten gemacht, gewirtschaftet und verloren.

Ich bin eigentlich nicht unvorbereitet in die Situation geraten, in der ich jetzt bin.

Gewiss, ich habe für den Beruf, den ich nun ausübe (und seit etlichen Jahren jetzt ausübe), keine Qualifikation außer meinem Gefühl für Menschen, meiner Intelligenz (die man mir nicht absprechen sollte, sonst helfen auch Komplimente zu meinem Aussehen nicht mehr), meiner Auffassungsgabe, meiner Vorliebe für Gelall, meiner Telefonstimme und meinem Designverständnis. Aber ich habe für diesen Beruf nun eine gewisse Erfahrung vorzuweisen, ein bisschen angelesenen und antrainiertes Wissen und ich denke, ich bin darin nicht schlecht ... gar nicht schlecht.

Aber es mir im Moment zuviel.

Wir veröffentlichen seit diesem Jahr 12 reguläre Hefte und 6-8 Sonderhefte. Weil es früher nur 10/6 waren haben wir im Sommer 2004 eine neue Kollegin eingestellt. Die Kollegen, die die Gespräche mit ihr führten, lobten ihren "Biss", ihren Schwung. Sie hat einige Semester Jura studiert, ein angenehmes Äußeres und ist nett.
Dieses "nett" machte mir von Anfang an Sorge. Wer Anzeigen verkaufen soll, sollte nicht "nett" sein. Nett ist quasi diametral entgegen gesetzt zu erfolgreich in meinem Beruf. Aber gut, sie war nett, das ist gut fürs Team (wir haben nämlich einen unnetten Verkäufer, ein ARSCHLOCH (leider attraktiv)(und vermutlich von mütterlicher Seite her mit dem Risiko der Schizophrenie bedroht), der ist erfolgreich aber nicht gut fürs Team).
Nun, sie ist nett. Nur leider versickert Wissen bei ihr weitestgehend ungenutzt. Ich will nicht sagen, sie ist dumm, aber sehr helle ist es manchmal nicht, was sie so macht.
Vor allem "Transferleistung" ist wenig vorhanden und es ist schon verdächtig, dass die Kollegen anderer Abteilungen dezent nachfragen, ob wir ihr nichts beibringen.

Dann ist da zu unserer Unterstützung seit 19 Monaten eine Teilzeitkraft. Sie hatte einen guten Start und eine schwere Kindheit. Leider hat sie die Kindheit wieder eingeholt. Sie stellte (nachdem wir eine andere Teilzeitkraft mangels Masse nicht weiter beschäftigten - und uns von ihr, die sich auch nicht so recht wohl fühlte, in beidseitigem Einvernehmen trennten) vorigen Sommer das Arbeiten ein, weil sie Angst um ihren Arbeitsplatz hatte (Nein, ich kann das nicht erklären - oder doch, ich könnte, aber ich habe keinen Nerv mehr, ich sage nur, wie es ist). Wir (wir sind ja im Grundsatz nett und dennoch nur mäßig erfolglos) haben mit ihr geredet wie mit einem kranken Pony und ihr, damit sie was "Eigenes" habe (Jodeldiplome gibt es bei uns nicht), mein kleines, liebes Weiterbildungs.net überlassen. An diesem Tag, da ich ihr diese "goldene Brücke" baute (statt ihr eine Abmahung wegen nachgewiesener Untätigkeit zu verpassen) war der "Dame" klar, dass sie gekündigt wird.
Jemand, der mein Problem sieht? Man kann sich nicht auf jemanden verlassen, der einem nicht vertraut.
Und so haben wir ihr im Januar mitgeteilt, ihr Vertrag wird zum 30.06. auslaufen.
Ich glaube, seitdem war sie mehr krank als da- und während sie da war, hat sie mehr (mit Erlaubnis <- wir ja nett) Bewerbungen versucht als gearbeitet. Beides allerdings mit gleichem Erfolg. Zero. Sie ist jedoch "meine Zuständigkeit" - defacto. Obwohl man sie von meinem "Aufgabenzettel" auf meinen Wunsch hin gestrichen hat - es ist bloß niemand sonst da, der ihre Anrufe, dass die Psychopharmaka nicht angeschlagen haben, entgegen nimmt, außer mir.

Denn der Chef, den wir finanzieren, hatte vor 14 Monaten einen Herzinfarkt, und verständlicher Weise ist sein Engagement für den Job seit dem gebremst. Er plant, er ist da, er redet nett mit uns, aber sein Feuer ist dahin. Das war vorher schon nicht lodernd, aber er ist nett und er hat sich eigentlich seine Abteilung so eingerichtet, dass alles gemütlich läuft. Die Spannungen zwischen Arschloch und Rest der Abteilung kann er jedoch gar nicht verstehen - die Lösung, die schließlich letztes Jahr gefunden wurde, beinhaltet, dass Mr Asshole zu Hause arbeitet. Kein Kontakt, keine Reibung (ich erwähne nicht, dass das durchaus auch per Fon und Mail geht, weil es im Verhältnis zu früher nicht mehr der Rede wert ist).

Und dann war da meine Lieblingskollegin, sauerländerischer Widder. Arbeitstier mit hohem Verantwortungsbewusstsein. Strohfeuerproduzentin und Nachtschichtschieberin. Leider gefiel ihr die mangelnde Führung nicht mehr und mehr aus sich machen wollte sie aus - so wird sie, die traditionell für die Haupthefte verantwortlich war und das auch lebte, seit 1. April Beamtin.

Dafür kam der beste Freund ihres Mannes, unseres Designers, zu uns, der außerdem der gute Freund unserer stellvertretenden Anzeigenleiterin (die genau wie unser Anzeigenleiter jedoch nicht verkauft - das kann ich auch nicht erklären, nun, ich könnte, aber ich ... s.o. will nicht, es ändert auch nix) ist und seit 5 Jahren im Verlag aushilft. Der hat noch weniger Qualifikation für den Job als ich. Er ist Diplom-Geologe. Und verspielt. Was Spaß macht, das macht er gern. Was neu ist, reizt ihn. Ein Wegschaffer ist er nicht, dafür ein großer Organisator und Schubladensortierer.
Vielleicht steckt mehr in ihm. Ich mag ihn (er ist übrigens sehr nett), aber ich habe Angst, dass meine Befürchtungen eintreffen könnten.
Keine Befürchtungen mehr habe ich, dass die alten Seilschaften die Neue Kollegin und mich an den Rand drängen könnten. Das ist Fakt.

So stehe ich zur Zeit da mit 12 regulären Heften und 6-8 Sonderheften.
Für diese Publikationen muss geworben werden, dafür müssen Werbematerialien entwickelt, entworfen und produziert werden.
Diese Ausgaben müssen mit Anzeigen finanziert werden - und damit unser Verlag.

Für die Sonderhefte (die ich konzipiert habe), bin ich zuständig. Für die Haupthefte niemand. Die Haupthefte sollen jedoch ca eine Viertelmillion Euro Umsatz machen im Jahr. (die Sonderhefte auch). Also muss sich jemand drum kümmern. So sehe ich das.

Chef auch. Aber er nicht. Ich soll man drauf gucken. Mir natürlich helfen lassen.

Helfen lassen ... von einer Kollegin, der ich nach einem 3/4 Jahr noch sage, was sie einem Kunden, den sie betreut und mit dem sie gesprochen hat, für Angebote macht und von einem Kollegen, der seit 48 Tagen da ist.
Woran ich nicht denke - das passiert nicht.
Worauf ich nicht antworten kann, das muss jemand anderes entscheiden. Dieser Jemand ist noch nicht vorgetreten.

Das Problem ist bekannt, eine Lösung nicht.

Es ist eine Herausforderung, das gefällt mir sogar, aber es verändert meine Freizeitvorlieben.

Ich entscheide ungern noch.
Ich verplane mich ungern noch - und dann wieder doch unbedingt, denn ohne Absprachen habe ich überall Termin-Minen-Gebiet.
Ich mage es, wenn man mich bespaßt.
Ich hungere nach schönen Dingen, die ich abschließen kann.
Ich sterbe für Lob, denn es zeigt mir, dass ich etwas richtig gemacht habe.

Ich entspanne mich beim Spielen - gerne dramatisch, aber mit Lösung. Irgenwo ein strahlender Held gefragt?
Gerne auch mit Romantik. Jemand, der mich retten mag?

Ich hoffe, ich überstehe diese Phase und habe am Ende noch Freunde, die ich nicht vor den Kopf gestoßen, vergessen oder versetzt habe.

Sollte dieser Satz auf irgend jemanden zutreffen (jetzt, in der Zukunft oder in den letzten 3 Monaten), der ihm liest - vergib mir. Ihr anderen - seid vorsichtig, wenn ihr es mit mir versucht.
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