Zorn (zorn) wrote,
Zorn
zorn

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Manchmal erwischt es mich. Die Situationen sind immer unterschiedlich. Ich kann es nicht voraussehen. Es passiert einfach. Ich stehe oder sitze irgendwo und plötzlich habe ich das Gefühl zu zerfasern, mich aufzulösen. Es ist ein Gefühl von existenzieller Bedrohung. Nichts ist plötzlich mehr sicher, mein Darsein könnte in diesem Moment ändern.
Die Luft in dem Laden war geschwängert von Düften, orientalischen, schweren Gerüchen - sie verkaufen dort Räucherstäbchen. Ein Kaleidoskop von Farben umgab mich, buntes Glas, Glitzer. Mein Lieblingsladen.
Ich sah auf einen Ständer mit wunderschönen Postkarten - und da war das Gefühl wieder. Es ist ein Schmerz im Herzen. Vielleicht war es das. Das Bild mit dem Mohn. Ich dachte sofort, ich kaufe und verschicke es.
Und dann kam die Sicherheit - wenn ich es verschicken würde, ich würde - außer ich frage nach - keine Rückmeldung bekommen. Warum sollte ich es also tun? Warum sollte ich überhaupt etwas tun?
Was ich auch tue .. es ist nichtig. Es ändert nichts. Den einzigen Menschen, dessen Leben ich wirklich zeichnen kann, stoße ich dauernd vor den Kopf.
In der Bildergalerie des Menschen, um den ich viel zu sehr kreise, komme ich nicht vor.
Ich tue nicht, was ich sollte. Was sehr, sehr nötig wäre. Ich tändele herum.
Ich stopfe das Gefühl weg, drücke es zur Seite. Ich kann es nicht brauchen. Ich will es nicht. Ich will dem nicht ins Auge sehen.
Ich sehe noch eine Postkarte, sie ist lustig, mit zwei Meerschweinchen drauf.
Ich kaufe beide Postkarten und treffe eine Entscheidung, während draußen die Straßenbahn wegfährt.
Aber ich muss nur zwei Stationen, ich beschließen, keine 5 Minuten zu warten, sondern zu laufen.
Auf dem Weg wird es etwas besser. Aber ich weiß nicht, ob ich wirklich etwas wahrgenommen habe auf dieser Strecke.
Vor des Bahn bin ich an der nächsten Station, beginne schon meine Karten zu beschriften.
Zwei Adressen, die ich nicht auswendig kann, mir fehlen die Postleitzahlen. Die andere Adresse hätte ich gewußt - aber dieses Mal nicht. Nein.
Die Bahn kommt und unterbricht meine Schreiberei. Nicht dramatisch, es sind nur zwei Sätze, die ich schreiben will, einen pro Karte.
An der nächsten Haltestelle geht es wieder raus, vervollständige ich die Aderssen aus dem Adressbuch - um dann den etwas längeren Heimweg zu nehmen, zum Postkasten.
Damit ich die Karten nicht vergesse einzuwerfen. Die Karte vom Samstag für Anne ist immer noch nicht eingeworfen.
Auf dem letzten Stück weg kommen mir Zwei entgegen, die sich zu einander beugen, um sich zu küssen, einen kleinen Moment verharrte die größere von beiden Gestalten, neckend, bevor sich ihre Gesichter berühren. Erst jetzt sehe ich, dass es zwei Frauen sind.
Sie sind schön, beide. Auch wenn die große sehr groß und sehr kurzhaarig ist.
Blondiert.
Muss man schön sein um zu küssen?
Ich bin mir sicher und gehe ein Baguette essen. Mit viel Soße.
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