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Zorn
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Liebeserklärung

Habe vor einigen Tagen/Wochen einen Eintrag mit dem Hinweis auf mein Alter angefangen.

Das könnte ich wieder tun: Ich bin fast Vierzig. Und darum bitte vergebe man mir, wenn ich etwas tütelig daher komme in diesem Eintrag.



Und das hat nicht viel zu bedeuten - aber es bedeutet, dass ich vieles erlebt und gesehen habe.
Ich wuchs noch auf mit dem Bewusstsein, dass die DDR existiert, ich wuchs auf zu einer Zeit, als es sowas wie Musikvideos noch gar nicht gab (Videos auch nicht :-)) - ich erlebte, wie diese aufkamen, zur Kunstform wurden .... ich habe noch sagen hören, dass sich CDs nie durchsetzen werden, weil keiner sie braucht und sie eh zu teuer sind. Internet gab es auch nicht... (<- das hat nix mit dem Thema zu tun, liegt nur daran, dass ich geschwätzig bin.)

Als mein Abi (1986) näher rückte, wusste ich nicht, was ich hinterher machen sollte.
Ich wollte gerne studieren (weil ich sehr, sehr gerne lerne), am liebsten was künstlerisches. Aber ich bin ein zu materialistischer Mensch, als das ich mir hätte vorstellen könne, von "Kunst" zu leben und zu flatterhaft, als dass ich mich in einer Kunstschule nicht bald hätte erdrückt gefühlt (zumal damals und auch heute mein Stil an Kunstschulen nicht gefragt ist).
Also habe ich eine Lehre gemacht. Ganz solide, sehr praktisch, kann ich heute noch was mit anfangen (Bankkauffräulein bin ich, wen's interessiert).

Nach der Lehre wusste ich immer noch nicht, was ich anderes als "weitermachen" sollte, also bin ich übernommen worden und habe in meinem erlernten Beruf gearbeitet.
Fünf Jahre bin ich so bei der Bank gewesen.

Dann aber zeigte sich eine neue Möglichkeit, ein Studium, dass Kunst und Praxis verband (dachte ich *g*): Architektur.
Da habe ich das mit mutigste getan, was ich vorzuweisen habe: ich habe gekündigt, ohne einen Studienplatz zu haben, ohne Geld (Ausbildung beendet = nix Bafög, Eltern = wenn du so'n Scheiß machen willst, dann sieh zu, wie du das finanzierst) und nur mit dem Wunsch, es zu versuchen.

Das Studium zog sich und gestaltete sich (aus privaten und vor allen finanziellen Gründen) schwierig und langwierig.

Genossen habe ich es dennoch.

Dann, bei einem Nebenjob, einem studentischen, fand ich die Arbeit, die ich jetzt tue. Schierer Zufall. Keine Entscheidung, die ich früher getroffen habe, hätte mich dorthin geführt.

Ich verkaufe. Ich kommuniziere mit Menschen. Ich gestalte. Ich plane und organisiere.
Find ich geil.

Aber das alles ... war nur Vorgeplänkel.

Heute habe ich einige Freunde (wenn ich mich denn so nennen darf), die fast einer ganz anderen Generation angehören und von denen viele in der Situation sind, dass sie jetzt Weichen stellen müssen.

Sie sind in leicht unterschiedlichen Situationen, etwas jünger, etwas älter, etwas akademischer, etwas beziehungssteckiger ....
aber ich wollte mal sagen ...



Ich bewundere sie alle.

Ohne Scheiß.

Da ist niemand, von dem ich nicht glaube, dass sie/er den Weg ins Leben nicht schaffen wird. Vielleicht wird der Weg ganz überraschende Wendungen nehmen. Vielleicht werden sich unerwartete Weggefährten finden. Vielleicht werden sich Ziele verschieben.

Ich glaube auch, dass die Wege alle höchst individuell sein werden. So wie die Wege, die die Menschen in die Position geführt haben, in der sie jetzt sind, bisher schon waren. Und viele von denen, die gerade an ihrer Zukunft zimmern, haben in meinen Augen schon sehr viel geleistet, um dorthin zu kommen, wo sie heute sind.

Solange man versucht weiter zu kommen, weiter zu machen, kommt man irgendwo auch an.

Zu so einem Weg gehört es auch, dass man manchmal innehält (ob in Panik, ob mit Bedacht ...) und nachdenkt. Dass man abbiegt, stehenbleibt, Orientierung sucht. Dass man Richtungen korrigiert.

Nach meiner Erfahrung wird die Angst nicht so bald aufhören, aber es wird sich mehr Übung und Gelassenheit einstellen. Man wird merken, dass es irgendwie (fast) immer weiter geht. ("Et is, wie et is und et kütt, wie et kütt" pflegt man in Köln zu sagen, keine Resignation, sondern vorübergehende Akzeptanz von etwas, das sich nicht sofort in der gewünschten Art verändern läßt, und dann "Et hätt immer noch jot jejange.").

Oft ist dieser Ausblick in die Zukunft nicht von klaren oder gar strahlenden Perspektiven geprägt, und eine Entscheidung über die Richtung ist daher schwer. Aber (und darum das Gelall oben) auch wenn man einmal fehl geht, es gibt eine zweite Chance, eine Möglichkeit, Entscheidungen zu revidieren. Manchmal wird der Weg auch erst klar, wenn man den ersten Fuß drauf gesetzt hat.

Aber egal, ob man marschiert, taumelt, tanzt, trippelt, schreitet, rennt oder schleicht ... niemand sollte sich mehr Druck aufhalsen, als da ohnehin schon ist - und Leute, die das (vielleicht sogar aus den besten Gründen... *Augen roll*) tun, sollen aufhören.

In meinem Bekanntenkreis (dem näheren) ist nur eine Frau, von der ich sage: sie hat aufgegeben und sich unter Wert weggeben (nein, niemand von meiner Friends List - obwohl auch LJ *g*).

Vor euch anderen ... zieh ich den Hut. Jawohl.


Und hey... die Musik lief nur zufällig!
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