Zorn (zorn) wrote,
Zorn
zorn

Fenstersturz

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Esra grinste. "Ich mochte einfach, wie er immer "unsichtbar" wurde.
Das fand ich cool. Mit so was möchte ich keine Probleme bekommen!"

"Wirst du bestimmt nicht", lächelte Tim ein wenig.

"Nee ... nur mit Autofahrern..." Er schloss müde die Augen. "Ich bin total froh, dass du da bist ..."; murmelte er dann, die kühle Dunkelheit genießend.

Was erwiderte man als Sozialphobiker darauf? Am besten nichts.
"Hast du jetzt was erfahren, wann genau du rauskannst?"

"Wenn alles so gut weiter geht ... in ein paar Tagen. Aber im MOment fühle ich mich, als würde es noch dauern. Mein Kopf macht mir Probleme."

"Mhmm... es wird sicher wieder." Das sagte man ja so, oder? "Ich muss leider gleich wieder los."

"Klar ..." Er öffnete die Augen. "Grüß Cirrus von mir, ja?", grinste er dann - er jemand anderem wohl grüße an die Freundin bestellt hätte.

"Mach ich..." Tim lächelte und ging dann wieder.

Als Esra ihm nachschaute, sah er aus dem Augenwinkel etwas am Fenster vorbeifliegen, von oben nach unten. Er hatte nicht gesehn was es war, nur das es sich bewegt hatte und größer - viel größer - als ein Vogel gewesen war.

Er erschrak. Hatte sich da jemand ... aus dem Fenster gestürzt?
Ruckartig setzte er sich auf.

Es war still. So still wie es auch vorher gewesen war. Niemand schrie, kein Arzt wurde gerufen... es war alles wie vorher...

Die Schmerzmittel machten ihn unvorsichtig... Er stieg aus dem Bett (vorsichtig) und sich abstützend, damit er das gebrochene Bein nicht belaste, hupfte er zum Fenster.

Es war dämmrig draussen und als er aus dem Fenster sah konnte er zwei Stockwerke weiter unten, im Schein einer Laterne einen Fleck erkennen.
Dunkel, rot oder braun, wohl wie von Blut. Er konnte sehen, wie sich jemand von dem Ort entfernte, es war zu dunkel, um mehr als eine grobe Gestalt auszumachen und die Blätter des Baumes der da stand waren im Weg.
Niemand sonst schien da, ein paar andere Fenster waren erhellt, aber es schien sonst niemand bemerkt zu haben. Einen Sturz aus dieser Höhe so gut zu überstehen, das man einfach weggehen konnte - oder überhaupt
sich noch bewegen konnte war... mehr als großes Glück.

Fehlt


Zeitmarke: Sat Jun 21 17:04:24 2003
Er wurde am Morgen wach, als es Frühstück gab.
Esra blinzelte, richtete sich vorsichtig auf.
Es ging ihm doch schon besser. Und auch wenn er merkte, die Schmerzmittel ließen nach, die Kopf-weh hatten von selbst auch nachgelassen.
Esra aß sein Frühstück brav auf.
Guter Junge. Er bekam am Vormittag Krankengymnastik. Das war nicht ganz einfach, ging aber doch besser als erwartet. Als er zurück ins Zimmer kam lag ein alter Mann in einem der Betten, er schlief.
Die Feder war weg. Verblüfft starrte er sein Buch an. Wo war .. verdammt ... da war doch ... er fing an zu suchen. Schrank, Tasche, Boden, Tisch.
Nirgends war sie zu finden.
Schließlich ließ er sich aufs Bett fallen - und durchsuchte seine Brieftasche.
Es war alles da.
Esra verstand es nicht.
Der alte Mann schnarchte.
Na, toll! Esra nahm sich sein Buch und wanderte in die Sitzecke auf dem Flur.
Es war halb zwölf, da setzte Tim sich neben ihn.
Esra sah auf ... und ihn an. "Hi"; lächelte er.
"Hallo... na... wie gehts?"
"Besser, bin schon wieder läufig", erklärte er ernsthaft.
"Dann passen wir mal gut auf, alle Rüden von dir fern zu halten", war die ebenso ernste, trockene Antwort.
"Wie?", fragte Esra verblüfft.
"Naja, wenn du läufig bist."
Esra überlegte, dann legte er sich die Hand vor die Augen. "Wei..."
Cirrus lächelte amüsiert.
"Wie geht es dir?"
"Gut." Es war eindeutig ein neutral gemeintes 'alle meine Körperfunktionen laufen einwandfrei' - Gut.
"Kann ich dich noch einmal um etwas bitten? "
"Was?"
Esra schlug den Bademantel beiseite und enthüllte sein schlankes, nacktes Bein. "Die schwarz-blaue Jogginghose ...", murmelte er.
Einen Moment hob Tim eine Augenbraue. "Hm, ja, die war gestern nicht da, ich nehme an, sie ist in der Wäsche?", fragte er.
"Kann sein ... ja ..."; murmelte er. "Die Jeans krieg ich mit dem Gedöne am Bein nicht an ..."
"Ich hab sowas befürchtet. Ich bring sie dir, ja. Sonst noch was?"
Esra wünschte sich noch seine Nagelfeile ... Sonst war er wunschlos glücklich.
"Wie geht es deinem Kopf?"
"Viel besser. die Schmerzen lassen wirklich nach - obwohl ich gestern dachte, ich hab Wahnvorstellun-gen."
"Ja? Wieso?"
"Ich dachte, es fällt jemand am Fenster vorbei."
"Oh..." Der junge Mann legte den Kopf leicht auf die Seite.
Esra erzählte, was er erlebt hatte und er schloss: "Und als ich vorhin von der Krankengymnastik zu-rückkam, was die Feder weg. Aus dem abgeschlossenen Schrank verschwunden. Das Geld aber war noch da. Daher überlege ich, ob ich nicht doch nen Schaden hab."
"Oh..." Der junge Mann legte den Kopf leicht auf die Seite.
"Das... klingt allerdings seltsam, ja...", gab Tim zu.
"Ich hab schon überlegt, ob ich mal einen Pfleger fragen soll, aber ..." Er grinste schräg.
"Das sind nicht so die Dinge, die man 'Pflegepersonal' gerne mitteilt, hm? Könnte es an den Tabletten liegen? Aber dann wären sie etwas hart, hm?"
"Können wir mal zusammen unten gucken gehen, ob der Fleck noch da ist? Oder hat es geregnet?"
"Geregnet hat es nicht, nein... gehen wir mal, ja..."
Esra gürtete sich wieder brav und trabte dann neben Tim nach draußen.
Der andere begleitet ihn mit seinen weiten, dafür eher langsamen Schritten, bis hinter das Kranken-haus.
Kein Fleck.
Nichts.
„Mann ... ich hätte doch nicht beide Pillen nehmen sollen ...", frotzelte Esra lahm.
"Sag ich doch..." Aber Tim sah sich um, lief etwas umher, schaute.
Esra beobachtete ihn.
Hm..." Er zuckte mit den Schultern.
Esra blickte wieder nach oben, wie in der Nacht, er sah sich um, ob noch irgendwo eine Feder lag. Es war so merkwürdig. Aber es war nichts zu sehen.
Er seufzte. "Sehr, sehr sonderbar..."
"Ja, schon... du solltest mal fragen, ob es als Nebenwirkungen irgendwelche Halluzinationen geben könnte."
"Werde ich ..", meinte er, die Stirn gefurcht.
Cirrus begleitet ihn wieder rein.
Esra kam inzwischen schon besser mit den Krücken zurecht. "Was macht das Diplom?", fragte er un-vermittelt.
"Es geht voran, wird schon noch ein Weilchen dauern. Hast du viel verpasst?"
"Ich hoffe nicht. Ich muss für das Stipendium genügend geschafft bekommen, sonst habe ich ein Pro-blem. Aber ich habe auch einiges vorgearbeitet. Das mit dem Referat ist dämlich."
"Naja, man wird das mit dem Unfall hoffentlich berücksichtigen..."
"Ich hoffe es. Zudem ... wenn es nicht mehr so lange dauert, werde ich es wohl irgendwie aufholen könne."
"Bestimmt..." Er klang zuversichtlich.
"Wollen wir einen Kaffee trinken? Es gibt eine Cafeteria."
"Ja." Tim folgte ihm dorthin, gesprächig wie immer. Wenn man nichts sagte tat er es von selbst auch kaum.
Esra bezahlte, war aber dankbar, wenn Tim das Tablett nahm.
Sicher tat er das. Er trug es zum Tisch, verteilte die Kaffees.
Wie trank er seinen, speicherte Esra ab.
Schwarz, mit wenig Zucker. Auch hier neigte er zum Nippen.
"Warum man wohl nicht Bruder sagt ..", fragte sich Esra leise.
"Was meinst du?"
"Naja ... Schwester ... und Pfleger. warum nicht .. Bruder?"
"Hm, keine Ahnung..." Tim zuckte mit den Schultern.
"Im Englischen heißt es Nurse und male nurse."
"Naja, aber Nurse heißt nicht in dem Sinne Schwester, also, wie sister... oder?"
"Nein ..."
"Was würde es übersetzt heißen?"
"Es kommt von nursing ... sich kümmern um was ..."
"Hm... stimmt, ja... tja, da waren die Engländer wohl logischer..."
"Sind sie in vielem. Und sie haben nicht so viele Artikel .."; Er lachte.
"Fällt dir das schwer? Ich meine, ist Deutsch eine deiner Muttersprachen oder nachträglich gelernt?"
"Nachträglich erlernt. Sie ist schwierig, die deutsche Sprache."
"Seit wann lernst du sie?"
"Seit ... 5 Jahren." Esra hatte kurz überlegt.
"Oh.." Tim hob eine Augenbraue. "Ich bin beeindruckt. Dein Deutsch ist sehr gut..."
"Danke ... ich habe ein Talent dafür, das ist ein ... Geschenk. Aber ich habe auch dafür studiert in der Schule. Ich hatte Deutsch als 3. Fremdsprache."
"Welche hast du als Muttersprachen gehabt" Die komplette Liste hatte Tim ja schon bekommen.
"Afrikaans, Englisch, Ndebele."
"Nebdele?"
Esra verbesserte es. "Tsonga spreche ich auch ein bisschen." Er wirkte ein wenig neckend.
"Uhm, okay." Tim versuchte nicht weiter, das zu wiederholen.
"Ndebele und Tsonga - oder Xitsonga - sind Ntu-Sprachen. Sie werden auch noch in andern Ländern gesprochen in Afrika. Mosamique zum Beispiel. Oder Zimbabwe. Afrikaans ... stirbt langsam aus, den-ke ich."
"Schade sowas... wie klingen sie?"
"Ob es schade ist ... weiß man nicht. Die Farbigen sehen in Afrikaans die Sprache der Unterdrücker, sie lernen lieber Englisch." Dann wiederholte er das ganze in einer Sprache, in der es in etwas so klang :) A tindzimana leti kumekaka ebukwini leyi a ti hlayiwe ebaeni minkarhi hinkwayo loko swi koteka.
"Woher kommt Afrikaans? Wie ist es entstanden?"
"Das Afrikaans ist aus dem Südholländischen entstanden. Es war früher eine reine Sprechsprache. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts wurde es vermehrt geschrieben, in Zeitungen und ähnliches, als zeichen der Unabhängigkeit, früher wurde Afrikaans - was ja auch kapholländisch heißt - gesprochen, und "hochholländisch" geschrieben. Aber Anfang des letzten Jahrhunderts wurde es dann Amtsprache. Lite-ratur in Afrikaans gibt es auch erst seit dem 20. Jahrhundert."
"Das sind so Sachen, mit denen ich mich eigentlich überhaupt nicht beschäftige", gab Tim zu.
Esra lachte. "Und ich doziere!"
"Mhmm..." Ein kleines Lächeln spielte um seine Lippen und er nippte an seinem Kaffee. "Willst du das mal machen? Unterrichten?"
"Ich würde gerne --- mehr etwas ... politisches machen. Völkerverständigung und so. Dazu höre ich ab und an noch Vorlesungen anderer Studiengänge."
"Mhmm... warum studierst du keine Politologie?"
"Weil mir diese Dinge erst nach und nach klar geworden sind. Ich kann mit den Sprachen bei interna-tionalen Organisationen anfangen."
Cirrus nickte. "Wo willst du hin, hast du da schon eine Vorstellung?"
"Vielleicht wieder zurück ... dort ist viel zu tun. Aber sonst ... ich kenne noch nicht so viel."
"Wie stehst du zu den Schwarzen und diesem ganzen Konflikt... ist es da unten noch sehr schlimm, mit dem Rassenhass?"
"Ist es .." Esra sah auf seine Hände. "Es muss Zeit vergehen. Der Hass muss verschwinden. Jeder hasst dort unten jeden. ES wird dauern, aber ich glaube, es ist möglich. "Dann sah er Tim wieder an. "Mir ist es egal, ob jemand schwarz, weiß, rot oder gelb ist."
Der Informatiker nickte langsam.
"Ich bin schon halb nackt mit Informatikern in Cafes gesehen worden", meinte er dann verschwöre-risch.
Tim beugte sich etwas, bis er knapp Esras hübsche Beine unter dem Tisch sehen konnte. "Tatsache", murmelte er.
Esra bewegte gespielt neckisch den Fuß mit den Sandalen.
"Ich hoffe, es hat keine fatalen Folgen."
"Ich werde Vitamine nehmen ... dann passiert schon nicht."
"Gut." Tim nickte, als sei er einverstanden.
"Und glaubst du, du verkraftest das?"
"Hier mit dir gesehen werden, so?"
"Hier mit mir so zu sitzen ..", grinste er, ohne Hintergedanken scherzend.
"Ich denke, das stehe ich durch, bisher habe ich nur einen Paparazzi verprügeln müssen, der mir bis hierher gefolgt war. Woher auch immer er wußte, das ich hier *dich* treffe."
"Die Presse ... eine wirkliche Pest..."; meinte Esra. "Keine ruhige Minute hat man mehr. Ich hoffe, du kannst sie weiterhin mit deinem blauen Sportwagen abhängen!"
Er nahm seine Tasse, nippte wieder und musterte Esra... nachdenklich, aber mit einem kleinen Lächeln. "Bestimmt, ja."
"Gut, sonst hätte ich ein schlechtes Gewissen gehabt, das dem Heilungsprozess bestimmt geschadet hätte."
"Das wollen wir ja nicht."
Esra trank seinen Kaffee aus. Er sehnte sich nach GUTEM Kaffee.
"Ich werd dann um 15.00 etwa wiederkommen, in Ordnung?", meinte Tim dann.
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