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Und dann ist da Hajo...

Wenn ich mich so umsehe, dann finde ich in meinem Bekannten- und Freundeskreis eigentlich nur ganz wenige Exemplare der Gattung "Voll normal".
Was ich so kenne ist kreativer, unangepasster, anstrengender, neurotischer, sexier, freakiger, offener, radikaler als das, was man normalerweise hinter deutschen Biergläsern findet.

Und dann ist da ... Hajo.


Mein erster Treff mit Hajo war im Rahmen einer Rollenspielsession, in der er eine Frau spielte, die sich als Mann verkleidet, aber schwul war. Oder so ähnlich.
Aber mein erstes Bild von Hajo hatten viel früher schon anderer gemalt. Ex-Freundin oder Bekannte wurden nicht müde, über ihn zu lästern. Seine devote Art, wie er seine Zuckerkrankheit als Entschuldigung nahm, anderen das Essen wegzufuttern, Süßigkeitenteller, die für alle waren, zu plündern, wie er nur ein Thema kannte, das wirklich spannend war: seinen Hintern. All das hörte ich von ihm - und als ich ihn dann traf - passten sie ihm alle, die Vorurteile, wie lieb gewonnene Kleider.
Dabei ist er eigentlich ein ganz hübscher Kerl, wenn er sich einmal unbeobachtet glaubt und auf Dekollete- und Diademgriff verzichtet. Er ist groß, sehr schlank aber dabei auch ein bisschen sportlich. Dieser Mann achtet auf seinen Körper – und auch wenn er 36 ist, so sieht man seinem Puppengesicht das doch nicht unbedingt an. Aber das war nur das äußerliche.
Er rollte mitten in der Gesellschaft über den Boden, weil er sich langweilte/müde war, er schüttelte die Kohlensäure aus der Coke, weil er das so lieber mochte (unabhängig davon, dass es die letzte Flasche war für alle) und bei einem Stück, dass wir alleine im Nebenzimmer spielten, fragte er, ob ich auch an einer "Domina-Sklaven-Beziehung" Interesse hätte...
Manchmal wäre es besser, wenn ich nicht zur Selbstdarstellung neigen würde.
Wenn ich einfach nur "Nein!" sagen würde.
Ich sagte aber: "Eine wirklich ernst gemeinte Herrin-Sklaven-Beziehung bedeutet eine große Verantwortung, damit das für die Unterwerfung nötige Vertrauen auch gerechtfertig ist. Danach ist mir zur Zeit nicht."
Zwei Fehler in diesem geschraubten Satz: "zur Zeit nicht" wird standardmäßig durch "aber später" ergänzt und meine Einstellung zur Unterwerfung kam dabei viel zu "perfekt" rüber. Man sollte rein Theoretisches nicht so darstellen, als täte man es täglich praktisch...

Jedenfalls war es der Anfang von vielen, vielen Anrufen.

Regelmäßig rief Hajo an, immer bereit, sich vielmals zu entschuldigen, wenn er denn störte ("Oh, du wolltest gerade ein Butterbrot schmieren. Tut mir leid, dass ich dich dabei störe, verzeih mir bitte...") aber noch mehr bereit, mir das Ohr mit wilden Geschichten zu füllen, wenn ich es ihm denn lieh.

Wollte ich eine Anthologie über abstruse Sexgeschichten schreiben, ich müsste nur zu Papier bringen, was Hajo als seine eigenen oder miterlebte Ergebnisse verkaufte. Orgien im Park ... Sex mit Fremden, Sex auf der Tanzfläche ... All so etwas.

Und ich hörte mir das amüsiert an. Weniger, weil es dabei um Sex ging, vielmehr, weil ich es genoss, wie Hajo fabulierte. Es war ein stilles Spiel: wieviele logische Fehler konnte ich in den Geschichten finden? Wie veränderten sich die Versionen, wenn er die gleiche Geschichte mehrmals erzählte.

Dann ging unsere Beziehung in eine neue Phase: er lud mich ein, aber ho! Nicht zu sexuellen Ausschreitungen, sondern einfach ... einmal mit ihm tanzen zu gehen. Auf schwarze Parties. Die Intention, die ich ihm dabei unterstelle ist, dass er einfach sein Publikum vergrößern wollte. Mein Problem damit: ich kann gar nicht tanzen.

Vielleicht waren es Hajos Einladungen, weswegen ich irgendwann mit elfy tanzen ging. Vielleicht, weil damals in meinem Kopf herumspukte, dass es doch nicht angehen konnte, dass ich aus so einem BLÖDEN Grund Einladungen auf bekannte Events ausschlug.

Und langsam ging das besser mit mir und dem Tanzen (ob fuchs wohl weiß, wie sehr mich ihr Kompliment nach der Matrix gefreut hat?) besser und so kam, was Hajo vielleicht schon nicht mal mehr geglaubt hatte: ich rief ihn an (was selten genug passierte) und fragte ihn, ob wir uns in der Zeche Carl in Essen treffen würden. Wir machten also, auch wenn S mal wieder nicht kam, einen Treffpunkt im Cafe der Zeche aus und Lo! Da tauchte Hajo mit seiner drallen, milchkaffeeschönen Freundin auf. Viel voneinander gesehen haben wir rein tanztechnisch natürlich nicht, aber es war ... ein Anfang.

Inzwischen haben wir uns nochmals getroffen, in Bochum, inzwischen hat Hajo mir auch seinen Lendenschurz vorgeführt (für den er im Chatforum der Zeche auch schon abgemahnt wurde: nicht jeder will alles Elend der Welt auch sehen, hieß es da in einem bösen Comment) - dieser besteht aus einem Lappen, der vorne runterhängt und einem, der das selbst hinten tut. Schmale Lappen...

Und jetzt ... jetzt haben wir gestern telefoniert. Anlass war seine Frage, ob ich nicht eine Idee für ein Sklavenkleidchen hätte. Aber das war nur der Vorwand, eigentlich wollte er über Haltungsfehler und S lästern. Und mal fragen, wie das mit dem Kit-Kat so läuft. Da würden Alica und er mich nämlich mal hin begleiten. Örgs. Da bin ich ja mal gespannt, was daraus wird. Zumal ich doch eigentlich am 1. Samstag im Monat keine Zeit habe...
Eine Frist habe ich noch: vorher werden wir wohl erst eine Fotosession haben: Hajo möchte von mir fotografiert werden (Hajo fotografiert selbst sehr viel). Allerdings überlege ich noch, ob ich mir mit dem “Ja-sagen” nicht hätte Zeit lassen sollen, bis mir klar geworden ist, was Hajo mit der Frage: “Was wäre für dich denn nicht mehr okay?” gemeint hat.

Uhh.... Und das mir bravem Geschöpf.
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