Zorn (zorn) wrote,
Zorn
zorn

  • Mood:

Steinzeit und Politik


Die Erfindung des Speers hat die Entwicklung der Gewalt zwischen den Menschen in
der Altsteinzeit nach Meinung eines amerikanischen Anthropologen entscheidend
beeinflusst. Bei den Streitereien war plötzlich nicht mehr die Größe der Gruppe
entscheidend, sondern wer wen zuerst entdeckte. Das führte auch zu sozialen
Veränderungen, infolge derer der Mensch aus Afrika auswanderte, berichtet
Raymond Kelly von der University of Michigan in Ann Arbor in der Fachzeitschrift
"Proceedings of the National Acedemy of Sciences" ("PNAS",
Online-Vorabveröffentlichung).

Bei sozial lebenden Säugetieren wie
Schimpansen kommt es häufig zu Gewaltakten, bei denen Mitglieder zweier
verschiedener Gruppen einander töten. Fast immer streiten sich dabei Männchen,
die ihre Macht ausbauen wollen, um ein Territorium. Denn je größer das
besiedelte Gebiet ist, desto mehr Nahrungsvorräte sind vorhanden und desto
größer ist die eigene Fitness. Streit um Territorien gab es auch beim frühen
Menschen der Altsteinzeit. Zuerst verteidigte der Mensch seine Gebiete in der
Gruppe. Je größer die eigene Gruppe war, desto einfacher konnten kleinere
Gruppen überfallen werden - und desto größer war die eigene
Überlebenswahrscheinlichkeit.

Steinzeitlicher
Strategiewandel


Die Erfindung des Wurfspeers vor rund einer Million
Jahren und die Entwicklung von Jagdstrategien aus dem Hinterhalt veränderten
jedoch die Machtverhältnisse, wie Kelly erklärt. Eine große Gruppe garantierte
nicht mehr den Sieg, sondern es zählte auch gute Tarnung und Schnelligkeit. Da
die Macht einer großen Gruppe so nicht mehr notwendigerweise einen Gewinn an
Territorium sicherstellte, begannen benachbarte Gruppen, Strategien zur
Vermeidung von Konflikten anzuwenden. Sie jagten gemeinsam und lernten, ihre
Beute zu teilen. Das Vermeiden von Konflikten hatte jedoch auch zur Folge, dass
die Gruppen voneinander wegziehen mussten, um den Wettbewerb bei der
Nahrungssuche möglichst gering zu halten. Dies aber gab der Migration einen
Vorschub: Der Mensch wanderte nach Europa und Asien aus.

Diese von
Frieden geprägte Zeit dauerte bis vor ungefähr 14.000 Jahren. Damals begann der
Mensch, sich niederzulassen und eine geordnete Gesellschaft zu bilden. Diese
beinhaltete auch den Fortschritt der militärischen Organisation. Es kam wieder
vermehrt zu Gewaltakten zwischen den Gruppen, die fortan jedoch in Kriegen
endeten.

Daraus lässt sich schließen: in der Steinzeit funktionierte das Prinzip der Abschreckung und Hochrüstung.

Später - heute - funktioniert es nicht mehr.

Ergo: Politiker, die auf das Prinzip der Hochrüstung zur Friedenssicherung setzen, sind gedanklich in der Steinzeit geblieben.
Subscribe
  • Post a new comment

    Error

    default userpic

    Your IP address will be recorded 

    When you submit the form an invisible reCAPTCHA check will be performed.
    You must follow the Privacy Policy and Google Terms of use.
  • 0 comments